1   Grundsätze

Schulen in freier Trägerschaft sind als Ersatz- bzw. Ergänzungsschulen Teil
des Schulwesens. Auch sie haben sich den veränderten gesellschaftlichen
Normen zu stellen. Unsere Schule nimmt im Rahmen der Jugendhilfe Anteil
an diesen zentralen Problemen unserer Gesellschaft.

Schulen in freier Trägerschaft unterstehen – wie auch öffentliche Schulen – der
staatlichen Schulaufsicht.

Als Schule in freier Trägerschaft ist sie der Bildungsaufgabe besonders
verpflichtet, Schülerinnen und Schüler zur Selbstbestimmung, Mitbestimmung
und Solidarität zu befähigen.

An unserer Wichern-Schule gGmbH wird mit Schwäche, Behinderung und
Leid anders umgegangen, als oftmals in unserer sich verschärfenden
Leistungsgesellschaft. Unsere Schule bemüht sich so um eine vertrauensvolle
und verlässliche Beziehung zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Dieser
Umgang wird unseren pädagogischen Grundsätzen entsprechend geprägt
durch Aufmerksamkeit und Respekt vor den unterschiedlichen Bedürfnissen
der verschiedenen Altersstufen. Zum Respekt gehören aber auch
Grenzerfahrungen und Annahme dieser Grenzen.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse müssen sich auch in der Bestimmung der
verschiedenen Unterrichtsgegenstände und Unterrichtsformen erweisen. Für
den Unterricht bedeutet dies unter anderem, dass nicht alle Schülerinnen und
Schüler gleichen Alters zum gleichen Zeitpunkt das Gleiche lernen.

Lernprozesse verlaufen unterschiedlich. Dies wird von unserem Kollegium
respektiert und findet Ausdruck in unserer pädagogischen Arbeit; so wird
Binnendifferenzierung in unseren Klassen schüler- und leistungsorientiert
praktiziert.

Die Gründe für die Beschulung der Schüler/Innen in der
Wichern-Schule gGmbH liegen vor allem in den unterschiedlichen
Verhaltensauffälligkeiten, die oft noch von Lernschwierigkeiten begleitet
werden.

Wir unterrichten Schüler/Innen, die in ihrem Lern- und Sozialverhalten so
auffällig geworden sind, dass ihre geistige, seelische oder gesellschaftliche
Entwicklung gefährdet ist und sie auch durch besondere pädagogische Maß-
nahmen in der Regelschule nicht mehr gefördert werden können.

Schüler/Innen, die nach Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken nicht in ihre
alten Klassenverbände reintegriert werden können, Schüler/Innen, die durch
destruktive Aggressionen den Unterricht stören, Schüler/innen, deren Auffäl-
ligkeit durch Ängste und Depressionen bestimmt wird, die sich durch
Gemeinschaft bedroht fühlen, Schüler/Innen mit gravierenden Entwicklungs-
und Lerndefiziten, mit Teilleistungsschwächen oder mangelnder Antriebs-
kraft, Schüler/Innen mit mangelnder Einsicht in gesellschaftliche Normen, die
durch häufiges Schwänzen auffallen, sich delinquenten Cliquen anschließen
und jugendstrafrechtlich in Erscheinung treten, Schüler/Innen, die Leistungen
verweigern.

2  Ziele der Arbeit

Das Angebot unserer Wichern-Schule verstehen wir so als Interventions-
möglichkeit in besonderen Krisensituationen. Der komplette schulische Maß-
nahmenkatalog in Bezug auf Disziplinierung an der Regelschule muss für
unsere Schüler/Innen nicht unbedingt vor Einweisung in unsere Schule
durchlaufen werden, wenn sich anhand der Gesamtentwicklung ein Schul-
versagen im Lern- und Verhaltensbereich abzeichnet oder die schulische Situ-
ation zusätzliche Belastung für die persönliche Situation beinhaltet. Hier liefert
unsere Schule rasche und gezielte Hilfe.

Unsere Schule bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ein ange-
messenes Lern- und Sozialverhalten zu üben. Die persönliche Lernfähigkeit
kann erlebbar und ein unbelasteter Umgang mit Stärken und Schwächen
ermöglicht werden. Die positiven Erfahrungen mit der eigenen Entwicklungs-
fähigkeit, die in den Heimen und Tagesgruppen gefördert werden, sollen auf
den Lebensbereich Schule übertragbar werden und durch Leistungserfahrung
und Anerkennung zu einer langfristigen Stabilisierung der neu erlebten
Position führen.

Weitere Ziele unserer Arbeit sind die Wissenserweiterung und das Schließen
von Wissenslücken sowie das Heranführen an den altersentsprechenden
Bildungsstand auf der Grundlage der geltenden Kerncurricula, die individuell
abgewandelt und so dem vorhandenen Wissensstand der Schüler/Innen
angepasst werden. Die Wiedereingliederung in öffentliche Schulen soll inner-
halb eines angemessenen Zeitraumes erfolgen. Dieser angestrebte Wechsel
wird an unserer Schule gezielt vorbereitet. Diese genannten Ziele sollen
erreicht werden u. a. durch:

• Berücksichtigung der individuellen Lernmöglichkeiten und der psycho-
sozialen Situation im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern.

• Beobachten und Benennen von irrtümlichen Einstellungen. Hierzu gehört
auch das Aufzeigen von klaren Grenzen und das Erkennen unserer eigenen
Leistungsfähigkeit. Grundlage dafür sind Unterrichtsthemen und das statt-
findende Sozialverhalten unserer Schüler. In dieser Arbeit findet eine enge
Zusammenarbeit mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten statt durch
Austausch und Entwicklung gemeinsamer sozialpädagogischer Ziele.

• Vermittlung von Wissen als gemeinsame Sache von Lehrer und Schüler/In
im Unterricht.

3  Praxis der Arbeit

3.1  Räumliche Ausstattung

Unsere Schule befindet sich in einem hierfür besonders ausgestatteten
Gebäude.

Das Raumangebot umfasst:

  • 9 Klassenräume
  • 2 Küchen
  • 2 Werkräume
  • Musikraum
  • Sporthalle
  • Chemie- / Physikraum
  • Motopädische Räume
  • Medienraum
  • PC-Raum
  • Pausenräume
  • Lehrerzimmer
  • Lehrmittelraum
  • Räume für sozialpädagogische Arbeit und für die Schülervertretung
  • Kriseninterventionsbüro (Anlage)
  • Schülerversammlungsraum

Das Außengelände ist für Pausen und Spiele entsprechend gestaltet worden.
Individuelle Rückzugs- und Einzelunterrichtungsmöglichkeiten sind ebenfalls
vorhanden. Den Lehrerinnen und Lehrern stehen für diesen speziellen Unter-
richtsbetrieb die notwendigen Lehrmittel zu Verfügung.

3.2  Lehrkräfte

Das Kollegium ist in seiner Altersstruktur heterogen und entwickelt sich
durch Erfahrung und Geben neuer Impulse ständig weiter. Pädagogik bleibt
so ein fortschreitender aber auch stabilisierender Prozess. Das Lehrpersonal ist
qualifiziert und engagiert. Es besteht aus Förderschullehrerinnen und -lehrern
mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sowie
Lernbehindertenpädagogik-Ausbildung, Grund- und Hauptschullehrerinnen
und –lehrern sowie Gymnasiallehrerinnen und -lehrern. Die für Schule
geforderten Fachbereiche werden abgedeckt. Unsere Schule ist ebenfalls in der
Lage bei Bedarf qualifizierte Zusatzangebote anzubieten.

3.3  Aufnahme und Aufenthaltsdauer

Voraussetzung für die Aufnahme von Schüler/Innen ist die Feststellung des
sonderpädagogischen Förderbedarfs nach den Richtlinien der Förderschule
für emotionale und soziale Entwicklung  durch die Landesschulbehörde.
Unsere Schüler/Innen sind in heilpädagogischen Heimen untergebracht oder
leben bei ihren Eltern und besuchen als Externe die Schule, solange die Länge
des Schulweges zumutbar ist. Eine Vielzahl externer Schüler/Innen wird
nachmittags in den heilpädagogischen Tagesgruppen betreut.
Schule und Heilpädagogik kooperieren bei der Zielsetzung des Abbaues von
Erziehungshilfebedarf.
Um Zeitpunkt und Schulstufe für die Rückführung in die Regelschule
bestimmen zu können, werden Gespräche mit allen beteiligten Fachkräften
geführt. Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach dem Einzelfall. Es besteht auch
die Möglichkeit an unserer Schule den Hauptschulabschluss sowie den
Abschluss der Förderschule Schwerpunkt Lernen zu erlangen.

3.4  Unterrichtsorganisation

Die Kinder und Jugendlichen werden ihrer Schulstufenzugehörigkeit ent-
sprechend in Gruppen bis max. 10 Schülern zusammengefasst und auch jahr-
gangsübergreifend unterrichtet. Der Unterricht orientiert sich an den
Kerncurricula der jeweiligen Schulstufen. Ausgangspunkt ist jedoch der
individuelle Stand der Lernentwicklung. Dabei werden die Anforderungen für
eine gezielte Wiedereinschulung in die Regelschule beachtet.

Im Jahresdurchschnitt unterrichten wir 55 Schüler in 8 Klassen.
Bei der Auswahl der Unterrichtsinhalte legen wir auf folgende Punkte
besonderen Wert:

• Interessen und Neigungen wird Raum gegeben
• Auf besonderen Fähigkeiten soll aufgebaut werden.
• Schließen der vorhandenen Wissenslücken
• Erstellen spezieller Förderkonzepte im Rahmen des Förderpools

Durch gezielte Differenzierungsmaßnahmen können Belastbarkeit, Konzen-
trationsfähigkeit und Ausdauer des einzelnen Schülers / der einzelnen
Schülerin angemessen berücksichtigt werden. An diesen Kriterien orientiert
sich auch die wöchentliche Stundenzahl. Unterrichtet wird in 2-Stunden-
blöcken mit anschließender 20minütiger Pause. Die Unterrichtszeit ist von
08:00 Uhr bis 13:10 Uhr.

3.5  Zusammenarbeit mit den Eltern und Erziehungsberechtigten

Bei aller notwendigen und positiven Zusammenarbeit mit den Heimen,
Tagesgruppen und Erziehungsberechtigten wird jedoch berücksichtigt, dass
die Schule für die Kinder und Jugendlichen als eigener Lebensbereich
gewährleistet bleibt. Dieses drückt sich durch Projekttage, Arbeits-
gemeinschaften und Klassenfahrten aus.
Im Rahmen von Sprechzeiten und Berichten der Lehrerinnen und Lehrer
werden die pädagogischen Mitarbeiter/Innen der Heime und die
Erziehungsberechtigten über Entwicklungen der Schüler/Innen informiert.
Die Lehrkräfte nehmen in der Regel ihrerseits an Hilfeplangesprächen teil.
Somit haben die Kinder und Jugendlichen ihre unterschiedlichen Erfahrungs-
welten, erleben jedoch aufgrund der engen Zusammenarbeit von Eltern,
Erziehungsberechtigten und Schule, dass alle an einem gemeinsamen Ziel
arbeiten: die Entwicklung und Festigung der Persönlichkeit.

Das Krisenbüro

-Krisenintervention-

Das Krisenbüro ist ein sozialpädagogisches Projekt der Wichern-Schule
gGmbH,      das   folgenden  Schülern   in  kritischen   Situationen
gezielte Hilfestellungen während des Schulvormittages anbietet:

• Neue   Schülerinnen   und   Schüler,   um   ihnen   als   Eingewöhnungsphase
einen individuellen und guten Start in unserer Schule zu ermöglichen.
D.   h.  sie  mit  den – neuen   Räumlichkeiten    – Regeln   – schulischem
Tagesablauf – mit ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern und
Lehrerinnen und Lehrern – vertraut zu machen.

• Schülerinnen     und   Schüler,  die  aufgrund   von   akuten,  persönlichen
Schwierigkeiten       kurzzeitig    nicht    in   der    Lage    sind    dem
Unterrichtsgeschehen      zu   folgen  und   eine  gesonderte,   individuelle
Betreuung benötigen.

• Schülerinnen und Schüler, die während der unterrichtsfreien Zeit (vor
Schulbeginn,      Pausen    etc.)  Konflikte   untereinander     haben    und
Hilfestellungen     benötigen,  um   diese  aufzuarbeiten,   gewaltfrei   und
möglichst kooperativ zu lösen.

• Schülerinnen und Schüler, die aufgrund von Regelverstößen für kurze
Zeit (bis zu 3 Tagen) suspendiert werden.

Personelle Besetzung:

Ausgebildeten Kolleginnen in

 Systemischer Familientherapie
 Beratung und Kurzzeittherapie
 Psychomotorik
 Klientenzentrierter Gesprächsführung
 Körperorientierter Gestalttherapie