Wichern-Schule Ganderkesee

Aus der Arbeit unserer Schule

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Totempfahl

Zu einem Totempfahl aus Holz bauten wir ein Indianerdorf aus Karton. Die Bögen fanden wir im Internet.

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„Hinrich“

img_0010-small.JPGHinrich“

Ein Plattbodenruderboot

Länge: 5m

Breite: 1,12m

für 2-4 Personen

 

Das Boot wurde von der Bootsbau-AG der Wichern-Schule Ganderkesee mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer Hauptschulklassen in 2 Monaten gebaut. Die Seiten sind aus Fichtenschalholz 21mm gehobelt. Der Boden ist aus Nut- und Federbrettern, Kiefer 22mm. Das Boot läßt sich mit einem kleinen PKW-Anhänger problemlos transportieren und ist für alle geschützten Gewässer geeignet.

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Die stolzen Handwerker der Wichernschule

Die 2/3. Klasse der Wichernschule opferte ihren Werkunterricht, um eine Tafel für denAndachtsraum des Altenheimes anzufertigen. Seit Anfang des Jahres schliffen die Jungen an den Buchstaben, die die Jahreslosung der ev. Kirche für 2008 ergeben:

Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Wie im letzten Jahr handelt es sich um eine „Auftragsarbeit“. Diesmal für die Klasse von Frau Wilms-Eilers. Vom Erlös kaufen wir einen Server für den Computerraum, der das Surfen im Interner kindersicher machen soll.

Hier sehen wir die Klasse beim Transport der Tafel von der Schule zum Altenheim des Wichernstifts:

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 Erlebnispädagogischer Unterrichtsversuch zur Stärkung der Teamfähigkeit
Die 7. Klasse an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, das bedeutet immer einen Sack voller Probleme. Hier kommen zu den ohnehin vorhandenen Spannungen bei Förderschülern noch die Herausforderungen der Pubertät dazu: Die stürmische körperliche Entwicklung, die zeitliche und räumliche Erweiterung ihres Erlebnishorizontes, Kontakte mit Alkohol, Kriminalität und Drogen…. Während das Bedürfnis nach Anerkennung unter Gleichaltrigen wächst, wächst auch die Verunsicherung. Oftmals sind die Spannungen innerhalb der Klasse so stark, dass ein regulärer Unterricht kaum noch möglich ist.

Das Konzept:

Auf der Suche nach Beispielen für erlebnispädagogische Übungen zur Förderung von Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit im Internet, stieß ich auf dem Landesbildungsserver Baden Württemberg auf eine Fotoserie:Hier wurde eine Übung vorgeschlagen, bei der ein Dreieck aus vertäuten Balken mit Hilfe von Seilen bewegt wird. Das Dreieck sollte dabei aufrecht gehalten werden, während ein Mitglied des Teams auf der Querstrebe (dem A-Strich) steht, ohne den Boden zu berühren. An der obersten Spitze sind drei Seile befestigt mit denen das ganze System kontrolliert werden kann.

Folgende Aktionen müssen koordiniert werden, um mit dem „A“ zu laufen:

  • Zwei Seile müssen seitlich und eins nach Hinten straff gehalten werden, damit das A steht.

  • Der „Reiter“ steigt auf die Querstrebe und geht dort auf die Seite des Beines, das zuerst stehen bleiben soll.

  • Die seitlichen Seile müssen koordiniert so gezogen, bzw. locker gelassen werden, dass sich ein Bein vom Boden hebt.

  • Das hintere Seil sichert das nach vorn geneigte A gegen das Umkippen

  • Der „Reiter“ verlagert sein Gewicht so, dass das angehobene Bein sich nach vorn bewegt, bis es wieder den Boden berührt.

  • Die seitlichen Seile müssen mit der Drehbewegung des A mitgeführt werden, so dass sie möglichst immer in Richtung der Querstrebe ziehen

  • Der „Reiter“ geht auf die andere Seite der Querstrebe

  • Die seitlichen Seile werden jetzt andersherum gezogen, bzw. locker gelassen, damit das andere Bein sich hebt.

  • Usw……

Die theoretische Abhandlung dieses Bewegungsablaufes ist zwar nicht gerade hilfreich, verdeutlicht jedoch die Komplexität des Vorgangs. Die Schüler sind über Balken und Seile unmittelbar miteinander verbunden. Die Aktion jedes einzelnen Teammitglieds wirkt sich direkt auf alle Anderen aus. Es funktioniert nur, wenn alle koordiniert mitmachen.

Die Umsetzung

Anlässlich eines vierstündigen Vertretungsunterrichts wurde die Idee verwirklicht. Die Aufgabe bestand darin einen Schüler mit Hilfe des Dreiecks aus Balken und Tauwerk über die Schulwiese „laufen“ zu lassen, ohne, dass dieser den Boden berührte. Tauwerk (3x20m, 2x10m) und Holz (2x3m, 1×1,7m)brachte ich von Zuhause mit. Wir entfernten alle Nägel und Metallteile von den Balken und trugen sie hinter der Schule.

Während ich das „A“ zusammenzurrte, nahmen die Schüler Kontakt mit dem Tauwerk auf. Spontan organisierten sie Seilspringen und Tauziehen.

 

Sobald alles für die geplante Aktion vorbereitet war, ging es um die Aufteilung der Gruppen und die Einteilung der Schüler zu den verschiedenen Tätigkeiten.

Es gab bis zu diesem Zeitpunkt noch keine klaren Vorstellungen wie die gestellte Aufgabe zu lösen sei. Dennoch richteten die Schüler das „A“ auf, der „Reiter“ stieg auf den Querbalken, alle sahen sich ratlos an und redeten durcheinander Probeweise wurde an den Seilen gezogen. Der Vorschlag tauchte auf: „Lasst uns was anderes machen! Das macht keinen Spaß!“

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Abbildung 1 Tauziehen als Aufwärmübung

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Abbildung 2 Das „A“ wird zum ersten Mal aufgestellt.

 

Das war der große Moment für einen Schüler, der sonst eher negativ auffällt. Wir wollen ihn Sven nennen. Sven hat immer dann Probleme, wenn er mal nicht der Sieger sein kann, wenn es nicht nach seiner Interpretation der Regeln geht und wenn er nicht so gut da steht. Dann verschließt er sich gegen jedes Argument, wird laut und manchmal auch handgreiflich. Selbst in einer Klasse mit 9 Schülern ist Sven nur in Begleitung eines Einzelförderers zu unterrichten.

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Abbildung 3 Wie soll es jetzt weitergehen? Solange jeder etwas anderes probierte konnte es nicht funktionieren

 

 

Und dann machte das „A“ seinen ersten Schritt: Sven hatte eine Idee. Diese Idee verfolgte er hartnäckig und redete auf alle ein, bis sie aus Überzeugung oder weil sie selbst keine bessere Idee hatten, seine Anweisungen befolgten: „Ein bisschen weiter nach hinten! Jetzt ziehen! Auf der anderen Seite locker lassen! Da hinten mitgehen! Geh auf die andere Seite der Strebe! …..“ Dann machte das A seinen ersten Schritt.

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Abbildung 4 Gleich hebt sich das rechte Bein

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Abbildung 5 Gleich hebt sich das linke Bein

 

 

Das „A“ kann laufen! Sobald die Schüler sahen, dass Svens Plan funktionierte, waren sie mit Begeisterung bei der Sache. Jetzt machten auch sie Verbesserungsvorschläge. Der nächste Schritt, dann noch einer. Das „A“ fing an zu laufen!

Sven sonnte sich in seinem Erfolg und zeigte sich großzügig und kompromissbereit. Für einen Moment hatte er die Gruppe kontrolliert, doch das „A“ machte auch ihn schnell zu einem Mitglied im Team.

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Abbildung 6 Der richtige Zug im richtigen Moment

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Abbildung 7 Man sieht, dass hier mehr beobachtet als blind gerissen werden muss

 

Das macht ja Spaß!

Jetzt wurde die Steuerung des Systems schnell immer weiter perfektioniert. Ein Schüler nach dem anderen wurde als Reiter auf die Querstrebe gestellt und es ging jedes Mal über den halben Fußballplatz bis auf eines der Torgerüste.

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Abbildung 8 Der Reiter lässt sich über den Platz tragen

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Abbildung 9 Mit einem eingespielten Team konnte das „A“ richtig Tempo aufnehmen

 

Fazit:

Ein Vorteil dieser Übung war es, dass sich die gesamte Aktion unmittelbar über dem Erdboden abspielte aber gleichzeitig das Element des Schwebenden und instabilen beinhaltete. Hier ließ sich hohe Sicherheit mit hohem Nervenkitzel vereinen. Dennoch bekommt der Reiter beim nächsten Mal einen Skaterhelm verpasst.

Der technische Ablauf schafft einen Zwang zum koordinierten Handeln. Kein Lehrer muss hier den Zeigefinger erheben, sondern der Sachzwang schmiedet die Gruppe zusammen.

Dass die Schüler mich am Ende des Unterrichts baten das Balkengerüst nicht zu zerlegen, sondern für weitere Stunden zur Verfügung zu halten, spricht für sich selbst.

Und wer verzichtete bis zum Schluss auf den Platz als Reiter? Wer ließ allen anderen den Vortritt, obwohl er sonst immer der Erste sein will? Richtig, das war Sven und allein für ihn hat sich diese Übung gelohnt.

 

 

 

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Von links nach rechts:

oben: Frau Wilms-Eilers, Herr Hermes, Frau Walter, Frau Czech, Frau Tampe, Frau Fiedler, Frau Denkena, Frau Stüve, Frau Diekmeyer, Frau Meyer-Folkerts, Frau Drescher, Frau Bitzer-Schroeder.

unten: Herr Schlecht, Herr Kühme, Herr Blank